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a die einzelnen Unterarten in verschiedenen Gebieten mit natürlich unterschiedlicher Beutestruktur leben gehe ich hier nur auf die Beute des Tigers im Allgemeinen ein. Zu den Beutetieren des Tigers gehört Schwarzwild wie „Rusa unicolor“ (Sambar), „Axis axis“ (Axishirsch), „Cervus elaphus bactrianus“ (Bucharahirsch), „Gazella subgutturosa“ (Kropfgazelle), „Vulpes vulpes“ (Fuchs), Frösche (Familie Ranidae), Fische (sehr komplexe Taxonomie) oder auch Familienangehörige wie Jungtiere, „Felis chaus“ (Rohrkatze) und „Lynx lynx“ (Luchs). Der Tiger verschmäht auch Aas nicht, jedoch frißt er dies äußerst selten, anders als der Löwe der relativ häufig Aas verzehrt. Dies ist selbstverständlich nur eine bescheidene Aufzählung. Prinzipiell kommt jedes Tier als Beute in Frage, sobald es sich mit dem Tiger ein Biotop teilt.

Wie bereits beschrieben jagt der Tiger auch sehr große Beute, wie Bison, Büffel oder Elephant mit Erfolg ("Pure Power"). Angriffe auf ausgewachsene Exemplare eben genannter Tiere meidet der Tiger für gewöhnlich. Sollte eines dieser Tiere den Tiger jedoch unvorbereitet antreffen, greift dieser meistens aus einem Reflex (Affekt) heraus an. Ein Mangel an anderen Beutetieren ruft ebenfalls dieses Verhalten hervor. Deswegen sollten diese Tiere nicht zu der regelmäßigen Beute des Tigers gezählt werden. Angriffe auf Kälber kommen hingegen regelmäßig vor.

Eine gängige Strategie um sehr starke Beute zu erlegen konzentriert sich darauf der Beute die Mobilität zu entziehen. Hierbei versucht der Tiger durch einen Biss oder einen Prankenschlag die Flechsen der Beute zu zerfetzen. Die Flechsen sind die Hinterfußsehnen und sind maßgeblich am Bewegungsapparat des Fußgelenks beteiligt. Der Name ist unter Umständen etwas missverständlich. Hinterfußsehne bedeutet nicht das diese nur an den "hinteren Füßen" vorkommen, sondern das diese hinten an jedem Fuß sind. Auch im Zusammenhang mit Tieren spreche ich immer gern von Armen und Beinen, dies mag zwar für manche gewöhnungsbedürftig sein aber ist zur Kenntnis zu nehmen (!!!!).

Sobald es dem Tiger gelungen ist die Flechsen zu durchtrenne ist es dem Beutetier nicht mehr möglich einen "sichern" Stand zu finden, da diese Sehnen für den Zusammenhalt der Fußknochen mit verantwortlich sind (nachvollziehbar). Das so in seiner Bewegung eingeschränkte Beutetier ist eine nun relativ einfache Beute. Diese Art der Jagd hat einen eigenen Namen. Von den Briten wird sie "hamstring" genannt, übersetzt bedeutet dieses Wort Achillessehne bzw. als Verb lähmen. Je nach Situation wird der Tiger dann zur endgültigen Tötung ansetzen. Damit meine ich, daß falls dieses Tier Hörner trägt wird der Tiger höchstwahrscheinlich versuchen einen Kehlbiss anzusetzen, weil bei einem Genickbiss die Gefahr einer Verwundung durch die Hörner des Beutetiers bestünde.

Allgemein findet man bei größeren Beutetieren meist den Einsatz des Kehlbisses und den Genickbiss häufiger bei kleinerer Beute. Wieder besseren Wissens findet man jedoch auch bei großer Beute recht häufig ein gebrochenes Genick. Dieser Umstand wird von einigen Wissenschaftlern mehr als Zufall denn als Absicht interpretiert. Anhand empirischer Daten gilt als bewiesen, daß der Tiger auch bei einem Kehlbiss mit heftigen ruckartigen Stößen oder Torsionsbewegungen gezielt versucht der Beute das Genick zu brechen. Dieses Phänomen konnte bereits mehrmals von Forschern, wie z. B. Schaller, festgestellt werden. Das exakte Vorgehen bei der Jagd wird von zahlreichen Faktoren, wie Geschlecht, Alter, Verfassung, Erfahrung des Tiger als auch von externen Faktoren wie Wetter, Beschaffenheit des Territoriums und schlicht und einfach Glück beeinflusst. Mit Glück beziehe ich mich mehr auf die Erfahrung und Aufmerksamkeit der Beute und weniger auf Glück als Glück an sich.

Zu erwähnen ist auch, daß der Tiger auch für ihn untypische Nahrung aufnimmt. In kleinen Mengen ißt dieser auch pflanzliche Nahrung wie Farne und andres Grünzeug. Bestandteile dieser Pflanzen sind für die Aufrechterhaltung des Metabolismuses von Nöten und müssen deswegen ab und zu verzehrt werden. Die Variation die bei der Tigernahrung auftritt steht der der Fellfärbung in nichts nach. In den Mägen von Tigern wurden neben den üblichen Inhalten auch Ratten, Heuschrecken und sogar Holz gefunden. Dies sind natürlich nur Fälle die unter besonderen Umständen, wie Nahrungsknappheit, zustande gekommen sind. Für gewöhnlich gibt sich ein Tiger nicht mit "niedriger" Nahrung wie Kleinnagern zufrieden, sondern ignoriert diese. Aus dem östlichen Sibirien ist ein Fall bekannt bei dem ein junger Tiger verhungert ist. In seinem Magen fand man nur pflanzliche Nahrung, die natürlich nicht sehr geeignet ist die Energien zu generieren die man benötigt um dem kalten sibirischen Winter zu trotzen.

In Indien fallen dem Tiger auch öfter Leoparden zum Opfer. Dies kommt meistens vor wenn sich ein Leopard an den liegengelassenen Beuteresten zu schaffen macht und nicht bemerkt das sich der "Eigentümer" nochmals nähert. Sollte der Leopard nicht schnell genug bemerken das der Tiger sich nähert und dann das Weite sucht, wird der Leopard vom Jäger zur Beute. Nachdem ein Tiger einen Leopard getötet hat beginnt dieser meistens den "Schaffensgenossen" zu verspeisen. Das ein Tiger einen Leoparden regelrecht jagt kommt auch vor, da der Tiger den Leoparden als Konkurrenten in seinem Jagdrevier erkennt oder der Leopard zur falschen Zeit am falschen Ort war (wieder sehr platt formuliert).

Des weiteren möchte ich noch auf eine spezielle Nahrungskomponente eingehen, den sogenannten Kannibalismus. Oft kann man erkennen, wie Tigerjungen einem erwachsenen Tiger zum Opfer fallen. Obgleich frühere Wissenschaftler die Meinung vertraten, daß hautsächlich erwachsene Tiger Jungtiger töten gilt es heute als gesichert dieses Verhalten auch bei Tigerinnen beobachten zu können. Das Tigerinnen fremde Junge töten ist, so dumm es auch klingt, noch verständlich. Gelegentlich werden auch die eigenen Jungen Opfer ihrer eigenen Eltern. Diesen Zusammenhang möchte ich auf die Rubrik "soziales Verhalten > Tigererziehung" verweisen. Eine weitere Perspektive, die ich dem Gesamtbild hinzufügen möchte, beschäftigt sich mit dem Kannibalismus unter Erwachsenen. Hier ist nicht gemeint, daß ein Tiger im Zweikampf mit einem anderen getötet wird. Bei diesen, auch sehr heftigen, Kämpfen wird zumeist keiner der Rivalen getötet. Solche Kämpfe können Revier-, Paarungskämpfe oder andere Auseinandersetzungen sein. Falls jedoch ein Tiger, zum Beispiel von einem Menschen geschossen und liegen gelassen wird, werden die sterblichen Überreste oft von anderen Tigern gefressen. Revierkämpfe können ebenfalls dazu führen, daß ein Tiger neben den Jungtieren einer Tigerin diese selbst angreift und/oder tötet. Dies ist der Fall, wenn der Unterlegene der vorherige Besitzer des Reviers ist. Wie der Löwe tötet der Tiger alle Jungen die nicht von ihm stammen und verwundet auch die Mutter der Jungtiger, weil diese instinktiv ihre Jungen beschützen will. So ist ein Fall aus einem indischen Nationalpark bekannt, wo genau dies geschah. Von den drei Jungen der Tigerin überlebte nur eines durch Zufall. Der überlebende weibliche Jungtiger mußte sich jedoch ohne seine Mutter behaupten, weil diese bei dem Kampfe mit dem neuen Revierinhaber tödlich verletzt wurde.

Neben diesen entarteten Ernährungsbestandteilen stellen die Wildschweine in einem großen Teil des Verbreitungsgebietes des Tigers einen bedeutenden Anteil der gesamten Tigernahrung. Die "Klassiker" wie Axishirsch oder anders Schwarzwild sind natürlich ebenfalls nicht verzichtbar. Einige Tiger haben sich auch daran gewöhnt Haustiere der menschlichen Bewohner in seiner Umgebung zu erlegen. In manchen Region sind die Tiger teilweise so dreist am heiligten Tag zwischen den Kulis herumzuschleichen und deren Hunde zu holen. Auf Hunde machen die Tiger fast schon aus Passion jagt. In der Regel töten die Tiger auch nur soviel, wie sie zum Überleben benötigen. Da Ausnahmen bekanntlich die Regel bestätigen ist zum Beispiel ein kurioser Fall aus Indien bekannt. Hier brach ein Tiger in einen Kuhstall ein und tötete insgesamt rund 28 Tiere.

Man spricht in Indien sogar davon, daß der Tiger Viehherden abweidet. Er bleibt solang in der Nähe der Herde bis er diese vollständig vertilgt hat oder die Herde auseinander läuft. Anschließend sucht der Tiger sich einen neuen "Weidegrund". Obwohl der Tiger der unumstrittene "Herrscher des Dschungels" ist bieten einige Tiere ihrem Herrscher auch die Stirn. Wasserbüffel bilden bei Gefahr eine "vereinigte Front" gegen den Tiger, indem sie ihre Hörner tief halten und es dem Tiger so sehr schwer machen sie (die Büffel) anzugreifen. Dies Verhalten soll auch schon einigen Menschen das Leben gerettet habe, die dies manchmal gezielt einsetzen um sich zu schützen. Diese Angriffe auf Menschen sind aber entweder ein vom Menschen provozierter Umstand oder der Angriff eines Menschenfressers. Rudel wilder Hunde sind auch so ein besonderer Fall. Irgendwie sieht es so aus, also könnte der Tiger mit so einer Meute kläffender Köter (Cuon alpinus - auch Alpenwolf oder Rothund) nicht so richtig etwas anfangen und zieht sich oft zurück. Hieraus zu abzuleiten, der Tiger hätte Angst vor den Wildhunden, ist sicherlich etwas vorgegriffen.

Nashörner oder andere große Säuger zählen natürlich auch zu den Tieren die der Tiger nur mit Bedacht und Tücke oder aus einer Überraschung heraus angreift. Das letzte Thema welches ich aufgreifen möchte befasst sich mit den Nahrungskonkurrenten des Tiger. Unter den Katzen währen hier hypothetisch der Löwe, Leopard und Luchs anzuführen. Da der einzige Ort an dem sich Löwe und Tiger heute begegnen könnten der Gir Forrest Nationalpark auf der indischen Halbinsel Kathiawar ist, dort aber keine Tiger leben, kann der Löwe also alleine geographisch bedingt kein Nahrungskonkurrent des Tigers sein. Bei einem Kampf zwischen Löwe und Tiger hätte der Löwe sowieso keine echte Chance zu gewinnen. Solche Kämpfe kommen, wie eben beschrieben, in freier Wildbahn nicht vor, konnten aber von Zeit zu Zeit in einigen Manegen beobachtet werden. Es ist mir kein Fall bekannt, bei dem ein Löwe einen Tiger besiegt hätte. Vielmehr hatte der Löwe schon großes Glück, wenn er beim Kampf mit einem Tiger mit dem Leben davon kam. Nur aus Zoos ist allerdings auch schon gegenteiliges bekannt. Eine Teilerklärung für die große Unterlegenheit des Löwen gegenüber dem Tiger ist in der Tatsache zu suchen, daß der Löwe ein Rudeltier ist und an keinen Einzelkampf gewöhnt ist. Ein durchschnittlicher Tiger ist allerdings auch stärker und größer als ein durchschnittlicher Löwe (Panthera leo krugeri - größte Löwenart).

Leopard und vereinzelt auch der Luchs sind sicher Konkurrenten um die Nahrung, weil aber der Tiger die "stärkere biologische Art" ist, sollten diese beiden Katzen ehr eine direkte Konfrontation mit dem Tiger vermeiden, sollten sie (Leopard & Luchs) beabsichtigen eine solche Begegnung zu überleben. Wehr mehr Informationen zu diesem Thema sucht sollte sich die einschlägige Fachliteratur zu Gemüte führen.

© 2001 by Marc "Sesshoumaru" Meiner